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05.05.2017

Schadensersatz oder Schmerzensgeld beim Zahnarzt ?

Meistens kommen Patienten mit Zahnschmerzen um eine notwendige Behandlung nicht herum. Schmerzen bei der Zahnbehandlung gelten als üblich und kommen häufig vor. Wer beim Bohren einen Schmerz im Zahn verspürt, bekommt in der Regel kein Schmerzensgeld. Doch es gibt durchaus Situationen, in denen Patienten Schmerzensgeld erhalten. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn sich die zahnärztliche Behandlung im Nachhinein als eindeutig fehlerhaft erweist und der Patient in Folge der Maßnahme unnötige Schmerzen ertragen muss.

Unzufriedenheit mit der Zahnbehandlung

Am weitesten verbreitet sind Komplikationen, die mit aufwendigen Zahnbehandlungen zusammenhängen. Vielfach beanstanden Patienten Behandlungsverfahren, die den prothetischen Bereich betreffen. Brücken, Kronen und Implantate müssen perfekt sitzen. Sie sollen einen früheren Schmerz oder ein mangelndes Kauvermögen beseitigen und die Einsatzfähigkeit des Gebisses wieder vollständig herstellen. Wenn Schmerzen nach einer Zahnbehandlung schlimmer werden oder im Anschluss keine Verbesserung, sondern eine Verschlechterung des Beißverhaltens auftritt, hat der Zahnarzt zunächst ein Recht auf Nachbesserung. Er darf seinen Fehler korrigieren.





Nachbesserung der Behandlung

Wenn jemand mit einem neuen Implantat nicht zubeißen kann, wenn eine Krone schief sitzt oder die angefertigten dritten Zähne drücken oder Scheuerstellen auslösen, so ist der erneute Gang zum Zahnarzt unvermeidbar. Damit alles seinen rechten Weg geht, verlangen Patienten von ihrem Arzt die Korrektur und Nacherfüllung des begonnenen Heilverfahrens. Der Arzt entscheidet, ob er beispielsweise eine Krone oder Brücke nacharbeiten kann, oder ob er einen komplett neuen Zahnersatz herstellt bzw. herstellen lässt. In einem günstigen Fall ist mit der Nachbesserung oder erneuten Anfertigung das Problem gelöst und die zahnmedizinische Behandlung kommt verspätet doch noch zu einem guten Resultat. Ist das nicht der Fall, können Betroffene Schadensersatz oder Schmerzensgeld vom Zahnarzt einfordern. Das Prozedere dafür erfordert Geduld, ist aber durchaus erfolgversprechend.

Beweis der Sachlage

Möchten Sie nach einer misslungenen Therapie von Ihrem Zahnarzt Schmerzensgeld oder Schadensersatz verlangen, müssen Sie als Patient den Schaden oder die ärztliche Pflichtverletzung nachweisen. Manche Patienten einigen sich bereits vor Beginn der Heilmaßnahme, wer im Schadensfall welche Rechte und Pflichten hat bzw. zusätzliche Kosten erstatten muss. Leider legen immer noch zu wenige Betroffene schriftlich mit dem Arzt fest, was passieren soll, wenn der Behandlungsvertrag keine zufriedenstellende Erfüllung findet. Daher kommt es im Nachgang zu einer Behandlung zu außergerichtlichen oder gerichtlichen Verfahren, um die Verantwortung und Kostenübernahme eindeutig zu klären. Zahnbehandlungen, bei denen Zahnersatz im Mittelpunkt stehen, sind oft kostentechnisch zwischen der Krankenkasse und einem Eigenanteil des Patienten aufgeteilt. Daher sind bei einer fehlerhaften Behandlung nicht nur die Betroffenen selbst, sondern ebenfalls die Krankenkassen daran interessiert, den Zahnarzt für Ersatzleistungen, die aufgrund des Behandlungsfehlers erforderlich sind, haftbar zu halten.

Kriterien für die Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen

Die nachstehenden Punkte fassen die Voraussetzungen zusammen, die die Grundlage für einen Schmerzensgeld- oder Schadensersatzanspruch gegen den Zahnarzt bilden:

  • Es liegt eine Pflichtverletzung des Zahnarztes vor. Patienten sollten pingelig genau darauf achten, dass der festgestellte Mangel der Therapie auf einen Verstoß gegen die Sorgfaltspflicht begründet ist. Nur in einem solchen Fall ist der Bestand einer Pflichtverletzung tatsächlich gegeben.
  • Die Pflichtverletzung des Zahnarztes passierte vorsätzlich oder fahrlässig. Das bedeutet, sie ist in jedem Fall dem behandelnden Arzt zuzuschreiben.
  • Es muss einen kausalen, logischen Zusammenhang zwischen dem geltend gemachten Schaden und der Pflichtverletzung bestehen. Kosten für die Beseitigung der Fehlbehandlung wären bei einer von Beginn an erfolgreichen Therapie niemals entstanden.
  • Eine weitere Grundvoraussetzung ist, dass der Zahnarzt sein Recht auf Nachbesserung verwirkt oder verliert. Das trifft zu, wenn eine Nachbehandlung durch den Arzt entweder nicht mehr möglich oder aber dem Patienten absolut unzumutbar ist.

Wie definiert sich eine Pflichtverletzung?

Ein Zahnarzt hat sich dann eine Pflichtverletzung zu Schulden kommen lassen, wenn eines oder mehrere dieser Merkmale vorliegen:

  • Es wäre möglich gewesen, eine alternative Therapie zu wählen.
  • Die gewählte Therapie ist Ursache von langfristigen Schmerzen und Beschwerden.
  • Der Zahnarzt hat den Patienten nicht hinreichend vor der Therapie über alle Risiken und möglichen Alternativen aufgeklärt.

Die Aufklärungspflicht ist umfassend: Wenn es nicht nur eine, sondern mehrere Behandlungswege gibt, muss der Zahnarzt dem Patienten diese allesamt aufzeigen. Zudem muss er die Risiken und Erfolgsaussichten möglichst objektiv bewerten und erläutern, so dass Patienten die Wahl haben, welcher Behandlungsmethode sie sich unterziehen möchten. Hat der Zahnarzt eine solche Aufklärungsarbeit versäumt, so kann eine Einwilligung zur durchgeführten Therapie im Nachgang rechtswidrig sein. Wenn es medizinisch sinnvolle und gebräuchliche andere Behandlungsmöglichkeiten gibt, muss der Zahnarzt das vorab erwähnen. Andernfalls liegt eine schuldhafte Pflichtverletzung vor.

Wie ist das Nachbesserungsrecht definiert?

Ein Zahnarzt behält selbst dann das Recht zur Nachbesserung, wenn er die vom Patienten vorgebrachten Mängel bezweifelt. Im Regelfall erfolgt im Verlauf oder nach Beendigung der Behandlung ein Gespräch zwischen Patient und Arzt, in dem die Sachlage dargestellt wird. Kommt es hier zu einer Auseinandersetzung, weil

  • der Zahnarzt zum Ausdruck bringt, dass er einen Schaden anzweifelt und
  • die Berechtigung einer Beanstandung für unangemessen hält,
verliert er damit noch nicht seinen Anspruch auf eine Nachbesserung.

Das können Sie jetzt tun:

ls Patient müssen Sie sich den Behandlungsfehler durch einen Gutachter bestätigen lassen. Sie sind verpflichtet, sich mitsamt dem Gutachten bei dem Arzt erneut vorzustellen. Wenn ein Betroffener diesen wiederholten Besuch beim Zahnarzt nicht wahrnimmt, behält der Arzt das Nachbesserungsrecht. Insgesamt sind Zahnärzte verpflichtet, bis zu vierundzwanzig Monate, also zwei Jahre nach der Behandlung eine Nachbesserung durchzuführen. War die Behandlung beziehungsweise der Zahnersatz von Anfang an mangelhaft, bleibt die Frist von zwei Jahren für die Ersatzleistung einer Zweitbehandlung bestehen, die durch die ursprüngliche Flickarbeit unerlässlich ist.

Erst wenn der Zahnarzt die nötigen Nachbesserungsarbeiten verweigert oder ein Zahnersatz komplett unbrauchbar ist, hat der Patient die Option, die Behandlung abzubrechen und einen anderen Arzt aufzusuchen. Wer in Deutschland gesetzlich krankenversichert ist, sollte vor dem Wechsel des Zahnarztes Rücksprache mit seiner Krankenkasse halten. Die Folgekosten für die Behandlung eines Kollegen sind die Kosten, die der erstbehandelnde Arzt als Schadensersatz übernehmen muss.

Fazit für die Durchsetzung eines Schadensersatzanspruchs beim Zahnarzt

Wer die schmerzvolle Erfahrung gemacht hat, nach einer Zahnbehandlung mit der Arbeit unzufrieden zu sein, sollte zügig ein weitgefächertes Kontaktnetzwerk aufbauen.

  • Neben der Rücksprache mit der Krankenkasse sind
  • Sachverständige oder Gutachter und
  • ein Rechtsanwalt kompetente Ratgeber.

Sie helfen bei der Durchsetzung von Ansprüchen vor Gericht. Patienten mit einem guten Netzwerk fühlen sich nicht im Stich gelassen und erfahren an notwendiger Stelle hilfreiche Unterstützung. Wenn der Nachweis einer fehlerhaften Behandlung unzweifelhaft vorliegt, ist es kein unüberwindbares Problem mehr, Schmerzensgeld und Schadensersatz vom Arzt zu fordern. Außerdem ist es langfristig sinnvoll, einen anderen Zahnarzt zu finden. Wenn Sie einem neuen Arzt wieder voll und ganz vertrauen, erledigen Sie den nächsten Gang zum Zahnarzt souverän und mit positiver Zuversicht.




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