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Was steht Flüchtlingen zu, wenn sie Zahnschmerzen haben?

Flüchtlinge, die gerade in Deutschland angekommen sind und sich im Asylverfahren befinden, also im Moment nur in Deutschland geduldet werden, haben nach dem aktuellen Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) keinen Anspruch auf die volle medizinische Leistung, wie sie ein GKV-Versicherter in Deutschland erhält. Sie sind auch nicht in der regulären Krankenversicherung gemeldet, haben nur einen Anspruch auf eine Minimalbehandlung. Diese definiert sich so, dass ein Arzt oder Zahnarzt zwar den schmerzhaften Zustand beseitigen darf, aber die Therapie aus eigener Tasche bezahlen müsste, also nicht vom Sozialamt erstattet bekommt. Die Entscheidung, ob eine Minimalbehandlung überhaupt in die Wege geleitet wird, trifft fatalerweise aber nicht ein Arzt, sondern ein Mitarbeiter bei den Landratsämtern. Aus diesem Grund ist der erste Gang, den ein Flüchtling bei Zahnschmerzen tun muss nicht den Arzt aufsuchen, sondern das zuständige Sozialamt. Die dortigen Mitarbeiter verfügen zwar über keine medizinischen Fachkenntnisse, entscheiden aber bei Schilderung des Zustands durch den Flüchtling darüber, ob eine Zahnbehandlung nötig wird oder nicht. Denn nur die Mitarbeiter des Sozialamtes können den Flüchtlingen einen Krankenschein ausstellen. Der Krankenschein bildet entsprechend die Grundlage der Abrechnung des Zahnarztes direkt mit dem Sozialamt. Insbesondere bei Zahnbehandlungen wird daher erwartet, dass durchaus eine Mangelversorgung entstehen wird.

Ein großes Problem, insbesondere in der medizinischen Versorgung von Flüchtlingen, ist das Verständigungsproblem. Zwar gibt es in Deutschland aus allen Ländern stammende Dolmetscher, die schon lange in Deutschland leben oder hier geboren sind, doch ihre Muttersprache eher als Zweitsprache betrachten. Doch innerhalb der Ethnien aus den Flüchtlingsländern gibt es verschiedene indoarischen Sprache, die die Dolmetscher meist auch nicht sprechen und verstehen. Viele der Flüchtlinge sprechen aber auch fließend oder wenigstens einige Fetzen Englisch. Und dies ist im Bezug auf die Stellung einer "Diagnose" vor Ort - also erst einmal beim Sozialamt, weil dies die erste Anlaufstelle ist für Flüchtlinge, die Zahnschmerzen haben, schon einmal eine große Entlastung, da auch meist die Mitarbeiter der Sozialämter der englischen Sprache mächtig sind.






Bohren ja, Füllung nein

Hat ein Flüchtling Karies, dann ist schon einmal das Erkennen durch den Mitarbeiter des Landratsamtes sehr schwer, wenn dieser nicht weiß was Karies ist oder was Karies für Schmerzen nach sich ziehen kann. Hat der Flüchtling einen Krankenschein erhalten, ist die Regelung aktuell so im Rahmen der Minimalbehandlung, dass der Zahnarzt zwar den Zahn aufbohren darf, aber die weitere Behandlung wie die Füllung des Zahnes gehört dann nicht mehr zur Beseitigung des schmerzhaften Zustands. Die Füllung müsste der Zahnarzt dann aus eigener Tasche bezahlen, weil das Sozialamt diese Kosten nicht erstattet. Eine Alternative wäre noch dass der Flüchtling hier selbst zur Kasse gebeten wird. Da diese aber nur ein geringes Taschengeld erhalten und sonst mittellos sind, kann sich jeder Zahnarzt ausmalen, dass ein Flüchtling dafür kein Geld hat. Aus diesem Grund handeln viele Zahnärzte heute im Rahmen der Mindestbehandlung gegen ihre fachlichen und moralischen Bedenken und ziehen Zähne statt sie zu erhalten. Auch dies fällt dann unter die Minimalbehandlung, die von den Sozialämtern getragen und dem Zahnarzt von dort erstattet wird.

Das genau sagt das Asylbewerberleistungsgesetz

Das Asylbewerberleistungsgesetz besagt dabei konkret dass ein zahnmedizinische Versorgung durchgeführt werden kann bzw. soll, wenn der Zustand akut ist und damit erkennbare Schmerzen verbunden sind. Dabei erfolgt nach dem Asylbewerberleistungsgesetz eine Versorgung aber nur dann, wenn die Behandlung als "unaufschiebbar" gilt. Die Realität ist dabei mit bürokratischen Hürden bestückt .

Erhaltende Zahnmedizin nur auf Antrag

Denn insbesondere zahnerhaltende Maßnahmen werden vom Sozialamt zwar hin und wieder auch genehmigt, allerdings nur auf vorherigen Antrag. Durch mangelnde Aufklärung der Flüchtlinge und Sprachbarrieren kommt es meist aber nicht zu einem derartigen Antrag. Zudem gibt es in Deutschland viele finanzschwache Kommunen, bei denen derartige Anträge stets abgelehnt werden. Stattdessen werden die Flüchtlinge zum Notfallpatienten, die nicht mal einen Krankenschein vom Sozialamt zuvor besorgen konnten. Doch in solchen Situationen scheitern viele Flüchtlinge schon an der Pforte der Praxen, da diesen dann die Abrechnungsgrundlage fehlt. Damit ein Antrag auf Zahnerhalt oder Zahnersatz genehmigt wird durch das zuständige Sozialamt, muss aber schon ein medizinischer Grund vorliegen. Über derartige Anträge entscheiden dann die Zahnärzte bei den Gesundheitsämtern der Städte und der Landkreise. Sehr große Einschränkungen bei einem derartigen Antragsverfahren gelten für kieferorthopädische Maßnahmen. Hier wird nach dem Motto verfahren: Jeder Behandlungsfall ist ein Einzelfall, wobei eine Zahnbehandlung von einem Flüchtling mit viel Bürokratie verbunden ist und auch mit Unsicherheiten bei allen Beteiligten. Die Menschen, die aus ihrer Heimat geflohen sind, kommen schließlich aus einem anderen Kulturkreis, wo es auch kriegsbedingt bzw. noch nie so viele Formalitäten zu beachten gab, wie hier in Deutschland. Dabei ist der Behandlungsbedarf bei jedem Einzelfall in der Regel vorhanden. Dabei ist die Behandlung von einem leidenden Menschen ein humanitäres Gebot, das auch viele Zahnärzte befolgen. Und zwar indem sie zum Teil auf eigene Kosten Flüchtlingen eine Behandlung über der Minimalbehandlung aus eigener Tasche zahlen.

Fazit

Grundsätzlich hat ein Flüchtling Anspruch auf eine zahnmedizinische Versorgung, deren Kosten die Sozialämter übernehmen. Das Gesetz sieht hier aber nur eine sogenannte Minimalbehandlung vor.

Weiterführende Infos zu diesem Thema:

Zahnersatz bei Asylbewerbern




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